Man braucht kein Psychologe zu sein, um festzustellen, dass, wer die Jagd ausübt, Beute machen will und dabei zur Zielerreichung selbstverständlich auch tödliche Waffen einsetzt.

Dennoch war die Jagd über von Anfang an, wie man auch bei Naturvölkern heute noch beobachten kann und von Völkerkundlern beschrieben wurde, von einem religiös geprägten Dank für die Beute und Ethik, Respekt und Achtung vor dem Leben geprägt, Jagdkultur eben. Auch waren Jagd und Jäger eingebundene und selbstverständliche, überlebenswichtige Bausteine einer dörflichen Gemeinschaft und einem erfolgreichen Jäger und seiner Beute wurde mit Hochachtung und Dank begegnet.

Heute leben wir in einer Zeit des indirekten Naturerlebens, der „Konserven“ und überwiegend nicht mehr im Einklang mit der Natur. Jäger rekrutieren sich mittlerweile aus allen sozialen Schichten mit ganz unterschiedlichen Motivationen zu Jagdausübung. Je nachdem, welchen jagdlichen Hintergrund sie von Hause aus haben, wie und ob ein Mentor Grundwerte vermitteln konnte oder wie engagiert sich jemand persönlich weiterbildet, spielen diese Werte eine unterschiedliche Rolle.
Jäger bewegen sich heute in einem Spannungsfeld zwischen den unterschiedlichsten Aussagen:

  • Überhöhte Schalenwildbestände vernichten den Wald.
  • Jäger müssen und wollen hegen und pflegen und den Tieren in einer immer schwieriger werdenden Umwelt ein gesichertes Überleben ermöglichen
  • Abschusspläne sind auf jeden Fall zu erfüllen, die Freude am bloßen Anblick wird dadurch verdorben
  • gefährdete Arten müssen, oft gegen den Widerstand von Naturschützern, durch Bejagung von Fressfeinden geschützt werden
  • Nichterfüllte Abschusspläne schädigen die Natur
  • Tierart XY ist je nach Revier als Schädling zu betrachten
  • Jäger fühlen sich heute oft nur noch als Erfüllungsgehilfen von Gesetzgeber und Landesforsten mit rein ökonomisch vorgegebenen Abschusszielen

Oft fehlen heute Regulative, die Themen wie Ethik und die vielbeschworene Waidgerechtigkeit erlebbar machen. Die Achtung vor dem Leben zu vermitteln, ist eine Aufgabe, die heute überall sträflich vernachlässigt wird. Die Ausbildung, der Mentor und die ersten eigenen Jagderlebnisse – die vorgelebte Freude über waidgerechtes Jagen, genauso wie die Gründlichkeit bei Nachsuchen und das Überprüfen eigener Fehler, sollen für die Zukunft formen, wie ein Jungjäger später die Jagd ausüben wird. Wenn jedoch „Kill for Cash“ und eine Hinwendung zu bezahlten Einzelabschüssen die jagdliche Zukunft wird, dann ist es eine bedenkliche Entwicklung, die dem nicht mehr Rechnung trägt. Wer nicht in den Notwendigkeiten einer Revierbewirtschaftung vertraut gemacht wird, dem wird immer der Blick für die Zusammenhänge fehlen.

Das Ganze mit Festhalten am Brauchtum zu verwechseln, ist falsch. Tatsächlich ersetzt das Absingen von Liedern, das Strecke legen, Brüche herbeten und Jagdsignale blasen, weder Empathie noch Respekt vor dem erlegten Tier.

Auch die Selbstdarstellung einiger Menschen mit Jagdschein, „Jäger“ mag man sie nicht nennen, beim Posten von Erlegerbildern in sozialen Netzwerken fällt in diese Kategorie. Wer nicht die Empathie besitzt, einem Tier den letzten Respekt zu erweisen, indem er ein würdevolles Bild mit einem angemessenen Text veröffentlicht, möge darüber nachdenken, warum in Todesanzeigen nicht „er starb unter Schmerzen und hat sich bis oben vollgeschissen“ steht, auch wenn es im Regelfall der Wahrheit entspricht. Und warum niemand dort erwähnt, dass der Verstorbene vielleicht kein so netter Zeitgenosse war.

weidenthalerEin heutiger Vorfall in der Facebook Gruppe „Gruppe der Waldfreundlichen Jäger“ stimmt mich daher äußerst nachdenklich.
Gepostet wurde ein Erlegerfoto eines Rehbocks, dem – im Anfall einer „waidheiligen Phase“ und weil (angeblich) kein passendes Bruchmaterial zur Hand war – statt eines waidgerechten letzten Bissens eine Zigarette in den Äser gesteckt wurde. Von der abgebildeten, eher an Kriegsgerät erinnernden Waffe ganz zu schweigen.

Die entrüsteten Kommentare der Gruppenmitglieder zeigen glücklicherweise deutlich, dass sich die Jägerschaft komplett von diesem Vorfall und damit der acht- und respektlosen Behandlung der Kreatur aufs Schärfste distanziert.

Ebenfalls distanziert sich die Jägerschaft deutlich von dem Ersteller des Fotos. Ein Mensch, der nicht einmal rudimentäre empathische Grundlagen der Waidgerechtigkeit sein Eigen nennt, darf sich keinesfalls „Jäger“ nennen, selbst wenn er einen Jagdschein besitzt.

Wir von FJD sind der Meinung: Ja, Jagd benötigt definitiv eine solide Jagdethik. Und diese Einstellung resultiert nicht nur aus dem Auftrag, den uns der Gesetzgeber gegeben hat, sondern muss sich auch in unserer Verantwortung  bei der Jagdausübung niederschlagen. Im Umgang mit dem uns anvertrauten Wild, in der Einhaltung der Gesetze und Regelungen und in der Distanzierung von „schwarzen Schafen“, unbelehrbaren Mitjägern und Technokraten ohne Empathie und Mitgefühl.

Auch zu diesem Thema: http://artemis-geht-jagen.blogspot.ch/2015/07/wozu-erlegerbilder.html?m=1

Bildmaterial: Rita Lexer, Screenshot Facebook

 

Kommentare

2 Kommentare auf "Braucht moderne Jagd Jagdethik?"

avatar
Sortiert nach:   neuster | ältester
Reiner Richter
Gast

M.M. hat der Bub weder für den JS noch für eine WBK die dafür notwendige geistige Reife.

Peer
Gast
Das man der Kreatur Respekt entgegen bringt sollte selbstverständlich sein. Doch könnt ihr endlich mal mit dem sinnlosen und bigotten Verhalten gegenüber der Nutzung von Selbstlader auf AR-Basis aufhören! Wir benutzen Schusswaffen und die sind alle aus der Verwendung als Kriegsgerät entstanden und verbessert worden. Ich sag nur ’98er! Und was ist mit den Syncro-Modellen von Sauer! Habt ihr euch mal die Geometrie angeschaut? Was spricht also dagegen eine Waffe auf Basis eines ARs zu benutzen?wir laufen ja auch nicht mehr alle in einer Lodenkotze durchs Revier! Auch wenn ich Loden für einen tollen Stoff halte so nutze ich auch… weiter lesen »
wpDiscuz