Wald gegen Wild – Oder wie Journalismus sich lächerlich macht

„Die alten Trophäen-Jäger bekommen Konkurrenz: Ökojäger jagen „effektiv”. Der Gesetzgeber muss sie fördern.“

TAZSo beginnt die Einleitung des jüngsten Beitrages bei zeo2, einem Medium des taz-Verlages. Verfasst von Benjamin Raschke, Landesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, Brandenburg, für ein Medium, welches offensichtlich so viel Ahnung von der Materie hat, wie der Papst von Sexspielzeug.
Aber der Reihe nach, was hat dieses Medium vom Stapel gelassen? Nehmen wir uns mal den Text vor, welcher vor schlechten oder gar nicht erbrachten Rechercheleistungen nur so wimmelt. Es beginnt damit, dass der Autor in über einem Jahr nicht mitbekommen hat, dass der DJV nun „Deutscher Jagdverband“ und nicht mehr „Deutscher Jagdschutzverband“ heißt. Eine Kleinigkeit, wenn man sich dagegen mit den darauf folgenden Unwahrheiten befasst.

Zeo2: Jagd ist angewandter Naturschutz – sagen traditionelle Jäger. Am Beispiel der Wälder aber zeigt sich: weit gefehlt. Der „Ökologische Jagdverband“ liegt regelmäßig im Clinch mit dem traditionell ausgerichteten Jagdschutzverband.
FJD sagt dazu: Den in Deutschland derzeit ca. 360.000 Jägern traditionellen Schlages steht seit über 20 Jahren ein Verband mit bundesweit ganzen 1200 Mitglieder gegenüber, welcher sich „Ökologisch“ nennt, aber „Ökonomisch“ meint. Dieser „Ökologische Jagdverband“ (ÖJV) fordert die Abschaffung der Fallen- und Fuchsjagd, der Vogeljagd generell und pauschal von Fütterungen, um nur einige Positionen zu nennen.
Im ÖJV sind zumeist Forstwirte – also Waldbauern – organisiert, deren Ökologie über die Maximierung des Waldertrages definiert wird. Diese „Ökologie“ führt zur Klassifizierung von Nützlingen, z.B. dem Fuchs, weil er überwiegend Mäuse, welche im Forst zu schaden gehen, frisst, hingegen werden Reh, Rot- und andere Schalenwildarten, die Knospen der Bäume fressen und die Rinden der Bäume schälen, automatisch zu Schädlingen degradiert. Das Motto dieses Vereins: „Wald vor Wild“. Diesem prägnanten Begriff ist denn auch nichts mehr hinzuzufügen, da selbsterklärend.

Zeo2: Die Mehrheit der rund 350.000 Jäger in Deutschland jagt nach einem Vorbild, das 1934 im Reichsjagdgesetz festgesetzt wurde.
FJD sagt dazu: Diese Behauptung ist nicht nur falsch, sondern nahe an einer Verleumdung. Das Jagdgesetz mit den Nazis in Verbindung zu bringen, stellt die Jäger automatisch in die rechte Ecke. Fakt ist:
Die entscheidende Grundlage für das Jagdrecht wurde in der Frankfurter Nationalversammlung 1848 in die Wege geleitet. Damals wurde die Berechtigung zur Jagd auf eigenem Grund und Boden im Grundeigentum verankert.
Später erarbeitete der sozialdemokratische preußische Ministerpräsident Otto Braun, aufbauend auf dem preußischen Jagdgesetz (Preußische Verordnung über die Jagd, 1904), mit der Preußischen Tier- und Pflanzenschutzverordnung vom 16. Dezember 1929 die Grundlagen des noch heute gültigen Bundesjagdgesetzes. Dieses erstmals einheitliche deutsche Jagdrecht wurde auch im Ausland als vorbildlich anerkannt.
1934 – nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 – übernahm Hermann Göring (Reichsforstmeister, Reichsjägermeister und oberster Beauftragter für den Naturschutz) die Verordnung von 1929 (s.o.) nahezu unverändert in das am 3. Juli 1934 verabschiedete Reichsjagdgesetz. Das gültige deutsche Bundesjagdgesetz stammt aus dem Jahr 1952 mit Überarbeitungen 1976 und 2011, letzte Änderung Dezember 2013.
Ach übrigens liebe zeo2-Verantwortliche: Das Tierschutzgesetz ist tatsächlich unter den Nazis begründet und verabschiedet worden und heute immer noch gültig:
„Das erste deutsche Tierschutzgesetz (Reichstierschutzgesetz) wurde am 24. November 1933 verabschiedet, aus welchem wesentliche Aspekte später in das TierSchG eingeflossen sind. Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Bundesjagdgesetz http://de.wikipedia.org/wiki/Tierschutzgesetz_

Zeo2: Förster sind Erfüllungsgehilfen der Jäger.
FJD sagt dazu: Anders herum wird ein Schuh draus! Grüne und ÖJV möchten mit den in den Ländern durchgedrückten Jagdrechtsnovellen Jäger und Grundbesitzer entrechten und enteignen. Durch die Reduzierung der jagdbaren Arten auf wenige Schalenwildarten würde die klassische Jägerschaft freie Kapazitäten einzig in der „Schädlingsbekämpfung“ – dem Krieg gegen das Schalenwild – einsetzen müssen. Weder Naturschutzprojekte wie die Niederwildhege noch aufwändige Biotopverbesserungen würden mehr durch Jäger durchgeführt und finanziert. Liebe neo2: Was soll daran ökologisch sein?

Zeo2: Der Zustand vieler Wälder – meist Monokulturen mit wenig Laubbaumbestand – verrät etwas über die Auswirkungen dieser Rollenverteilung. Die Waldfreunde werfen den Waidmännern vor, Wildbestände durch Winterfütterungen künstlich aufzupäppeln. Erhöhte Abschusszahlen scheinen das zu belegen.
Die jährlichen Schäden durch sogenannten Verbiss sind enorm. Die Grünen fordern darum die Abschaffung des Durchfütterns von Tieren, die in der kalten Jahreszeit von Natur aus gar nicht überlebt hätten.
FJD sagt dazu: Beispiel Rotwild: dieses zog in früheren Tagen bei hohen Schneelagen in die Täler um dort Futter zu suchen und zu finden. Heute leben dort Menschen. Nun ist das Wild gezwungen auf die Wälder auszuweichen, dort will der Forst aber keine Schäden. Daher wird in Notzeiten – zur Ablenkung, aber auch zur Erhaltung des Bestandes – zugefüttert. Es ist schon geradezu zynisch Tieren die Nahrungsgrundlagen zu entziehen, sie dann verhungern zu lassen und das dann als „natürliche Selektion“ zu verkaufen. Ökologisch? Mitnichten liebe zeo2! Viele Menschen würden das schlicht als Tierquälerei bezeichnen! Der Anstiege der Schalenwildbestände ist auch der vermehrten Produktion von Futterpflanzen und der Klimaveränderung geschuldet.
Zu unserem Wald und Euren „Recherchen“ dazu: Fichten-Monokulturen wurden nach dem zweiten Weltkrieg gezielt gefördert und gepflanzt, schnell den begehrten und gebrauchten Rohstoff Holz lieferten. Die Gesamtwaldfläche in Deutschland und der Laubbaumanteil steigt kontinuierlich. Wir von FJD fragen uns: Worauf begründet zeo2 seine Behauptungen? Warum können wir Informationen nach einfachsten Recherchen finden und Sie nicht? Wir begründen unsere Argumentation z.B. auf dem Bundeswaldinventurbericht, den Sie liebe zeo2-Redakteure hier finden können.
Bundeswaldinventur – Flächen: Laubbaumanteil steigt.

Zeo2: Statt dessen wird „effektiv gejagt“, etwa in Form von Gruppenjagden wie Drückjagden, wo Treiber durch den Wald gehen und das Wild auf die Schützen zutreiben. Nach einem Treiben hat der Wald dann wieder für lange Zeit seine Ruhe. Diese Praxis schafft die notwendigen, höheren Abschusszahlen. So eine Jagd wirkt für die traditionellen Jäger aber wie ein arg zauberloser, unromantischer Arbeitseinsatz.
FJD sagt dazu: Grundsätzlich führen auch traditionelle Jäger Drückjagden durch. aber nicht à la ÖJV. Deren Jagden wirken auf die „klassische Jägerschaft“ wie ein Gemetzel. Wie z.B. das, was der ÖJV seinerzeit im Nationalpak Müritz unter Ende 2012 veranstaltet hat. Solch eine „effektive“ und tierfreundliche Jagd sieht dann so ungefähr so aus:

„NEUSTRELITZ/SCHWERIN | Bei einer Drückjagd im Müritz-Nationalpark ist es offenbar zu einem grausamen Gemetzel gekommen. Dabei sei gegen zahlreiche Vorschriften des Tierschutz- und des Jagdgesetzes verstoßen worden, berichten Teilnehmer gegenüber unserer Redaktion. So sei bei der Jagd am 13. Dezember der Abschussplan für Damwild massiv um 60 Tiere überschritten worden. Zudem seien Muttertiere erlegt und der obligatorischen Suche nach durch Schüsse verletzten Tieren nur gleichgültig nachgegangen worden. Schließlich seien Rehböcke zum Abschuss freigegeben worden, obwohl für diese im Dezember normalerweise die Schonzeit gilt. Das Umweltministerium hat eigens eine Untersuchungskommission eingesetzt.
„Um die Schusshemmung abzubauen, sind die Böcke freigegeben“, zitiert Teilnehmer Herbert Eingang die Jagdleitung. Er selber habe ein Damwildkalb mit abgeschossenem Vorderbein erlegt, dass seinen Stand passierte. Hinzu kam ein weiteres angeschossenes Kalb, zwei Kälber, die ohne Mütter umherirrten und ein Alttier mit einem Bauchschuss. Die Nachsuche, so Eingang, sei zumindest mangelhaft gewesen. „Ich bin doch kein Killer, ich habe die moralische Verpflichtung, zu suchen, wenn ich ein Tier verletzt habe.“ Auch ein anderer nicht genannt sein wollender Teilnehmer berichtet, dass das Motto wohl gewesen sei: „Hauptsache, es fällt möglichst viel um.“
Insider sehen als Hintergrund solcher Vorgänge eine Auseinandersetzung zwischen Waldbesitzern unter den Jägern und anderen Jägern. Die Lobby der Waldbesitzer setze sich mit solchen Jagdmethoden durch, um möglichst viele Bäume vor dem Verbiss durch Wild zu schützen.
Quelle: svz.de

Falk Jagdszent, ÖJV wurde im Verlaufe der Ermittlungen übrigens seines Amtes enthoben und versetzt. Wer schon einmal auf einer durch den Forst und damit kommunalen Drückjagd teilgenommen hat, der weiß, dass dieses unsägliche Szenario eher die Regel, denn die Ausnahme bildet.
Zeo2: Zur modernen Jagdart gehören bleifreie Munition und vielleicht bald Schalldämpfer, das Ende der tierquälerischen Fallenjagd, veränderte Schonzeiten, vorübergehend höhere Abschusszahlen, sowie der Verzicht auf alle traditionellen Praktiken, die der Qualität des Wildfleisches im Weg stehen.
Wolf, Luchs und Fuchs sind keine Feinde der „Neo-Jäger“ mehr. Würden die neuen Jäger sich durchsetzen, wäre es sicher allmählich vorbei mit dem Bild des Jägers als dem Hüter einer Jahrhunderte währenden Tradition. Er wäre ein Servicemitarbeiter für den Wald und die Gemeinschaft. Jagd als Dienstleistung?
FJD sagt dazu: Inhalte wie bleifreie Munition, Schalldämpfer, Anpassung von Schonzeiten sind keine Erfindungen des ÖJV, sondern Bestandteil einer lebhaften Diskussion. Auch Bewahren von Traditionen ist nichts Ehrenrühriges. Die Landesjagdverbände unterstützen Wiedereinbürgerungsprojekte. Aber gestandene Jäger, welche seit Jahrzehnten erfolgreich Naturschutz betreiben, zu Erfüllungsgehilfen, zu „Servicemitarbeitern“ des Forstes, zu „Schädlingsbekämpfern“ zu degradieren ist lächerlich.

Zeo2: Das Ende der Gutsherrenart

FJD sagt dazu: Ist das nicht letztlich des Pudels Kern, zeo2?
Im Grunde geht es hier doch um eine tief links geprägte Neiddebatte, althergebrachte Traditionen sollen hier wie in vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen Unverbindlichkeit und Oberflächlichkeit weichen.
Jagd ist national wie international vom IUCN anerkannter Naturschutz, keine Tierart ist von der aktuell praktizierten, nachhaltigen Jagd der letzten hundert Jahre in Deutschland durch Jäger ausgerottet worden! Das ist der beste Beweis dafür, wie hoch der Schutz für die Arten ist, die über das Jagdrecht der Hege der Jäger unterstellt sind!

Ihre Stellungnahme interessiert uns sehr.

Initiative „Für Jagd in Deutschland“ vertreten durch ihre Repräsentanten.

gez. Boris Eichholz
gez. Falk Trompeter
gez. Dr. Antje Wutzke
gez. Adrian Höber

www.facebook.com/fuerJAGD

Foto ©Adrian Höber

Kommentare

1 Kommentar auf "Offener Brief: Gegendarstellung an ZEO2 (TAZ)"

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Michael Huber
Gast
Es ist eine ökologische Invasion die uns hier widerfährt, kaum zu glauben, wofür der Begriff herhalten muss. Die ursprüngliche Definition dieser wichtigen ahistorischen Teilwissenschaft der Biologie wird durch die kleine Partei Bündnis90/Die Grünen und der großen nichtpolitischen Vereinsverbände NABU und Bund für Umwelt und Naturschutz konterkariert. Sie ist ideolgielastig und verhindert rationale Entscheidungen. Viele Hilfswissenschaftler fühlen sich befähigt, als Trittbrettfahrer aus diesem Gespann von Ökofetischisten die Heilsbringer für eine ökologische Welt des 21. Jahrhunderts in der Bundesrepublik in die Hand zu nehmen, dazu gehört auch der Ökojägerverein als Erfüllungsgehilfe. Den Schaden den diese Hobby-Naturschützer verursachen ist unüberschaubar und in vielen… weiter lesen »