Nach einem kurzen Anruf: „Wir holen dich gleich ab, dann geht es zum Krankenhaus!“ stelle ich den Pet Carrier ins Frettchenzimmer.
Es dauert keine Minute da sitzen schon alle vier drinnen, die Blicke sagen „Los, mach was, wir wollen jagen“.

Alle vier, das sind Frigga, Freya, Freki und Skadi.10362570_889784491039491_6313053883248252848_n
Da ist Frigga, die längst ein Alter hat, in dem ich sage: „Die muss nicht mehr jagen“ und die mir aber jedes Mal klar macht: „Ich will aber, lass mich!“.
Frigga und Freya sind Mutter und Tochter, mit 8,5 und 6,5 eher älteren Kalibers und das beste Geschenk, das mir eine befreundete Falknerin in meinem ganzen Leben gemacht hat.
Freki ist ein inzwischen 2,5 Jahre alter Frettchenrüde, den ich mit einem halben Jahr von Falknern übernommen habe, einige Monate später kam Skadi von den „Frettchenfreunden Mönchengladbach“ dazu, ein ausgesetztes Tier, das bei mir sein endgültiges Zuhause gefunden hat.

Also Frettchen nehmen, Fallen aus dem Keller holen und da ist auch schon meine Mitfahrgelegenheit. Schnell alles einladen und los geht es.
Heute geht es in ein Krankenhaus, das ein sehr starkes Problem mit Kaninchen auf seinem Hubschrauberlandeplatz hat.
Zusammen mit zwei Falknern und einem Rotschwanzbussard namens Aragorn beginnt die Jagd. Zuerst bleiben die Frettchen im Pet Carrier, Aragorn soll seine Chance bekommen.
Direkt startet er auch den ersten Jagdflug, die Distanz zu den Kaninchen ist allerdings zu groß, deshalb kann er es nur anjagen. Dann sitzt er im Baum, wartend, sein Blick geht nach unten. Er braucht jetzt Unterstützung.
Jetzt kommt meine Aufgabe, bzw. die der Frettchen.

10454915_889771527707454_6351597146516717656_nUm Aragorn nicht zu überfordern, setze ich erst einmal nur Freki in den Bau, in der Hoffnung dass nicht so viele Kaninchen springen. Dafür wird er vorher aus der Transportbox in die Frettchentasche gesetzt.
Freki guckt mich verschlafen an, wird noch einmal gestreichelt, nimmt dann den Bau an und schlieft ein.

Ein paar Minuten vergehen und ich, als Frettchenführer, werde nervös.
Was, wenn er im Bau eingebuddelt wird? Oder schläft?
Mein Adrenalingehalt steigt deutlich höher aber da, Geräusche.
Plötzlich springen zwei Kaninchen, Aragorn lässt sich fallen, jagt hinter den Kaninchen her, die versuchen ins Gebüsch zu flüchten. Er packt zu, greift knapp daneben, später finde ich an der Stelle Wolle, und das Kaninchen entkommt. Für heute hat es Glück gehabt.
Ohne etwas davon mit zu bekommen, schlieft Freki aus dem Bau aus, verärgert, weil ihm die Kaninchen entkommen sind. Meine Belohnung in Form von Leckerchen interessiert ihn gar nicht. Sein Jagdinstinkt ist jetzt geweckt, er will wieder einschliefen, die nächsten Versuche machen.
Jedoch muss er sich gedulden bis der Rotschwanzbussard sich ebenfalls beruhigt hat, dann erst kann es weiter gehen, an einem anderen Bau.

Wieder darf Freki alleine in den Bau und die anderen Frettchen werden schon unruhig. Aber es hilft nichts, es geht ja darum den Vogel nicht zu überfordern, wenn zu viel Auswahl kommt.
Diesmal springt das Kaninchen sofort, Aragorn setzt unverzüglich zur Jagd an. Man konnte ihm die Motivation zur Jagd schon vorher auf der Faust seines Falkners ansehen, wie er unruhig wurde, nachdem er das Frettchen einschliefen sah.
Aber wieder nichts, der Vogel packt ein zweites Mal daneben, genauso knapp wie beim ersten Versuch, es gibt so Tage, da geht alles schief.

Egal, Freki verlässt den Bau diesmal deutlich entspannter als beim ersten Mal, kommt auf mich zu und will sogar seine Belohnung.
Manchmal ist man als Frettchenführer richtig stolz auf seine Tiere, besonders wenn sie so vorbildlich arbeiten.

Kurze Diskussion mit Falknern, kurze Überprüfung des Frettchens, des Vogels, alle gesund, keiner einen Kratzer? Alle noch motiviert? Gut!

1426485_889780517706555_2160559142928192816_nLetzter Versuch mit Vogel und Frettchen, ein Kaninchen springt, läuft in die richtige Richtung, Ara gorn packt zu, hat es im Kopfgriff, alles atmet auf.
Ich warte entspannt am Bauausgang auf den Rüden, wieder bekommt er seine Paste, er hat heute vorbildlich gearbeitet.

Für Aragorn ist die Jagd für heute vorbei, drei Flüge, davon einer, bei dem er das Kaninchen gebunden hat. Mehr kann man von ihm nicht erwarten, er hat jetzt Feierabend.
Für die Frettchen beginnt jetzt allerdings der stressige und arbeitsreiche Teil.
Die Baulöcher werden mit insgesamt 15 Reusen und Fallen verschlossen, dann heißt es: alle Frettchen in den Bau. Vorher schaue ich Frigga an, will sie wirklich noch? Ihre Reaktionen zeigen mir, ja, sie will nicht nur, sie besteht schon fast darauf, dass sie auch in ihrem Alter noch in den Bau darf. Also rein mit ihr, und das Warten geht los.
Dieser Moment ist in meinen Augen der allerschlimmste.

Das Warten, kommen die Frettchen?
Bleiben sie im Bau?
Trotz allem ist jetzt absolute Ruhe am wichtigsten, der kleinste Laut und die Kaninchen springen nicht mehr.
Es vergeht eine Viertelstunde, wieder ist mein Körper voller Adrenalin. Als erstes kommt Freki, voll mit Sand, aber ohne Kaninchen vor sich her zu treiben, aus dem Bauausgang. Danach folgt ihm der Rest.
Ich entferne schnell die Reuse, in der der Rüde bereits sitzt, für alle gibt es Leckerchen und einen Moment der Ruhe in der Frettchentasche.
Dann folgt eine letzte Lagebesprechung, welche Bauten sind zu sehr beunruhigt, welche Bauten kann man probieren und welche Bauten sind zu riskant?

Wir beschließen Feierabend zu machen.
Die Frettchen kommen zurück in den Pet Carrier, wo immer Futter bereit steht. Zur Belohnung für die Mühen und gute Zusammenarbeit gibt es zusätzlich mit Wasser verdünnte Katzenmilch.
Wir hatten einen schönen Tag, haben den Rotschwanzbussard wunderbare Flüge machen sehen und Freki hat alleine Kaninchen aus dem Bau getrieben.
Was kann man als Falkner und Frettchenführer mehr erwarten?
Frettieren hat den Vorteil dass es in befriedeten Bezirken wie Friedhöfen und Parks angewandt werden kann, aber auch in Gärten.
Hierbei gilt zu beachten, dass zum Frettieren immer noch ein gültigerJagdschein vorhanden sein muss.

Bilder: Carina Ina Janine Greiner-Kaiser