Der Leitwolf weit vor seinem Rudel

Kaum ein Thema spaltet zurzeit mehr die öffentliche Meinung. Der Wolf, eine Tierart, die nach der Berner Konvention  von 1979 streng geschützt ist, erobert Deutschland.

Flankiert wird seine Zuwanderung von Aktionen wie „Willkommen Wolf“ vom NABU und Ähnlichem von anderen Naturschutzverbänden. In Form von Kuscheltieren, Spielen, Materialien und Veranstaltungen ist der Geschäftsbereich „Wolf“ höchst lukrativ und zum Generieren von Spenden bestens geeignet. Vom großen Autokonzern bis zur Werbung in Klassenzimmern ist alles eingebunden.

Im Bewusstsein der Öffentlichkeit ist der Wolf das Sinnbild der intakten, romantischen Natur. In der relativ menschenleeren Region der Lausitz scheint das Miteinander gut zu funktionieren. Mittlerweile wandern etliche Wölfe ab und erobern als Rudel oder Einzeltiere die Republik.

Die Politik, immer interessiert positive Schwingungen in der Bevölkerung auszunutzen, fordert eine flächendeckende Besiedlung Deutschlands.

Betrachtet man die momentane Situation aber genauer, zeichnet sich ein desillusionierendes Bild ab.

Zum einen verhalten sich die Neubürger nicht so, wie beschrieben und erwartet. Sie sind nicht scheu und scheinen eher die Eigenschaften eines Kulturfolgers zu zeigen. Nutztierrisse nehmen zu und, weil nicht sein kann, was nicht darf, ranken sich sofort Verschwörungstheorien um diese Zwischenfälle.
Proben werden nicht schnell genug genommen oder sind nicht verwertbar, Entschädigungen werden, wie im Falle eines Islandfohlens, merkwürdigerweise trotzdem gezahlt. Schafhalter warten hingegen oft mehrere Monate auf eine Entschädigung.

Die Politik ist in der Handhabung uneins und lässt die Nutztierhalter alleine. Dem Föderalismus geschuldet, kocht jedes Land sein eigenes Süppchen.

Weder die Politik noch die Verbände schaffen es, die Frage nach einem sinnvollen Monitoring, bei dem Zuständigkeiten und Verantwortung geregelt sind, bundeseinheitlich zu klären.

Bald wird an die Entschädigung die Forderung nach Eigensicherung geknüpft werden.

Wolfssichere Zäunungen werden heute schon gefordert und bezuschusst. Aber auf Flächen, die wolfssicher gezäunt sind, wird auch kein anderes Wild mehr wechseln können. Andere Flächen, vor allem Waldgebiete, werden vermehrt belastet. Jahrzehntelang gewachsene Pflanzen- und Tiergesellschaften werden zerstört.
Für uns Artenschützer kein angenehmer Gedanke. Es ist noch nicht lange her, da hat man den Wegfall der innerdeutschen Grenze als einen Gewinn für den Genpool vieler Arten und der Biodiversität gefeiert.
Wie verträgt sich das Szenario für die Naturschutzlobby mit der Forderung nach privaten Guantanamos für Nutztierhalter? Ganz einfach, man schweigt es tot.

Liebe Jäger, der Wolf ist ein geschütztes und schützenswertes Tier. Seine Ansiedlung und Verbreitung wurde von Verbänden und Politik gefördert, während jegliche Kritik und Vorsicht mit den Worten „ihr wollt ja nur den Wolf bejagen“ oder im Falle der Nutztierhalter „ ihr wollt euch nur nicht umstellen“ abgewertet werden.

Lasst euch bitte nicht vor diesen Karren spannen. Sollte es notwendig sein, „Problemwölfe“ zu bejagen, werden sicherlich die Verbände oder die Länder Berufsjäger, die ausreichende Erfahrung im Ausland erworben haben sollten, zur Verfügung stellen und die Kosten dafür übernehmen.

Auf jeden Fall sollte sich jeder Tier- und Artenschützer bewusst machen, dass die Zeche für ein unrealistisch gezeichnetes Bild in der Öffentlichkeit, für schlechtes Monitoring und für fehlende Verantwortlichkeit nur einer zahlen wird – der arme Wolf.

 

Bild:Harald Schottner/pixelio.de

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