Standortbestimmung eines Jägers

Von Detlef Riechert

Die Jagd ist eines unserer ältesten Kulturgüter. Nach allem, was wir wissen, hätte sich der Mensch ohne die Jagd nicht zum homo sapiens entwickelt. Dieses Kulturgut zu erhalten, ist unsere Aufgabe. Die Jagd hat auf die, die sie ausüben, auch eine erzieherische Wirkung, insbesondere auf junge Menschen. Jäger haben Ehrfurcht vor dem Leben und der Natur. Das war schon immer so. Jäger brauchen dazu keine Tierschutzgesetze. Insofern ist Jagd „zeitlos“: Es werden weder wissenschaftliche Theorien noch vermeintliche Erkenntnisse des Zeitgeistes benötigt, um jedem Lebewesen die Würde zu gewähren, die es kraft seiner Schöpfung besitzt. Das jagdliche Brauchtum wird von manchen belächelt, aber gerade in den Traditionen ist der Respekt vor der Kreatur über alle Zeiten hinweg verankert.

Jagd ist nachhaltige Nutzung der Natur. Sie dient unter anderem, aber vor allem anderen, der Gewinnung eines hochwertigen Lebensmittels für den Menschen.

Unser Jagd- und Reviersystem wird international anerkannt und hoch geschätzt. Die Jagd in Deutschland ist untrennbar mit dem Grund und Boden verbunden. Wer auf seinem Eigentum jagt oder eine Jagd langfristig gepachtet hat, verfolgt ein ureigenes Interesse, die Natur zu schützen und die Umwelt zu schonen. Wer ernten will, muss säen, hegen und pflegen. Jagdliches Handeln wird in diesem System durch die natürlichen Verhaltensweisen des Menschen angetrieben, durch einen positiv wirkenden Egoismus, der in der Natur des Menschen verankert ist. Unsere Jagd, wie wir sie kennen, ist ein gutes Beispiel, wie ein System in Eigenverantwortung seit vielen Generationen funktioniert. Jäger investieren in einem beträchtlichen Umfang ihre Zeit und ihr eigenes Geld in die von ihnen betreuten Reviere. Die Jagd zeigt eindrucksvoll, dass wichtige und große Lebensbereiche unserer Gesellschaft ohne den Einsatz von Steuergeldern in Selbstverantwortung der Bürger gestaltet und nachhaltig erfolgreich bearbeitet werden können. Jagd findet zum Wohle und Nutzen der Gesellschaft statt – in unserem System verbunden mit einer gleichzeitigen Entlastung des Staates. Die Jagd muss nicht abgeschafft werden, sondern die Gesellschaft sollte darüber nachdenken, wie das Modell der Eigenverantwortung in unserem Gemeinwesen verbreitet werden könnte.

Deutschland ist ein bedeutender Industriestandort, aber auch ein Land mit einer kleinen Fläche und einer hohen Bevölkerungsdichte. Auch wenn manche es nicht wahrhaben wollen, Deutschland ist kein Urwald. Die jagdliche Nutzung geschieht in einer Kulturlandschaft und steht eng neben und nahe bei der Landwirtschaft. Es ist kein Zufall, dass manche Forstbehörden von einer Bewirtschaftung des Schalenwildes sprechen.

Jagd ist keinesfalls und unter keinen Umständen eine Schädlingsbekämpfung. Jagd ist aktiver Natur- und Umweltschutz. Jagd steht für die Erhaltung und den Schutz aller Tierarten. Jagd ist praktizierter Tierschutz. In den letzten einhundert Jahren ist keine einzige Tierart ausgestorben, die dem Jagdrecht unterliegt.

Jäger werden gründlich in Theorie und Praxis ausgebildet. Lebenslanges (Weiter-) Lernen ist für einen Jäger selbstverständlich und gelebte Realität. Die Waffen des Jägers sind, neben vielen anderen, seine wichtigen Werkzeuge, deren zuverlässige Handhabung kontinuierlich trainiert wird. Mit Flinte und Büchse auf dem Schießstand zu üben, ist angewandter Tierschutz!

Trotz allen Könnens und Wissens wird man Jäger nicht durch eine Prüfung oder die Erteilung der Jagderlaubnis. Jagen ist eine Einstellung zum Leben und eine Weltanschauung. Ein Jäger zu sein, bedeutet mit der Natur und in ihr zu leben. Ein Jäger steht nicht als Beobachter außerhalb der Natur, sondern sieht sich als deren Bestandteil, der unzweifelhaft alle Menschen sind, auch Nichtjäger, und sogar diejenigen, die als Folge geistiger Irrlichterei eine andere Konstruktion in ihren Köpfen geschaffen haben. Jagen heißt Demut lernen. Jagen erfordert Achtung und Respekt vor allem Leben auf dieser Erde, den Tieren, Pflanzen und Menschen. Weder Tier- noch Naturschutz sind teilbar. Man hat Ehrfurcht vor der Schöpfung oder man hat sie nicht. Man liebt die Natur, zu der die Menschen ebenso gehören wie Tiere und Pflanzen, oder man liebt sie nicht. Wer vorgibt, die Natur zu lieben und sie schützen zu wollen, aber Menschen verachtet und ihnen Tod und Verderben wünscht, ist einer Wahrnehmungsstörung zum Opfer gefallen. Ein Jäger besitzt die unbedingte Liebe zur Schöpfung als Gesamtheit. Deshalb lieben Jäger nicht nur die Tiere und Pflanzen, sondern auch die Menschen. Jäger wird man weder als Folge wissenschaftlicher Betrachtungen noch als Konsequenz rationaler Überlegungen.

Nicht der Jagdschein macht uns zum Jäger, sondern unsere Einstellung. Ein Jäger wird man nur mit dem Herzen.

Bildrechte: Rainer Sturm/Pixelio.de

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