Eigentlich sollte sich diese Frage gar nicht stellen, denn durch aktuelle Umfrageergebnisse bestätigt, hat der Jäger ein durchaus positives Image.

Zum Beispiel gaben 93 Prozent der Befragten an, dass Jäger durch die Pflege ihrer Reviere zum Natur- und Artenschutz beitragen.

Woher kommt also diese Skepsis, diese teils aggressive Stimmung die uns, auch in manchen Medien, entgegengebracht wird? Warum ist die Jagd so ein Reizthema? Es wird auch unterschiedlich gewertet: Die Aktionen zum Lernort-Natur mit Kindern, die Naturerlebnistage, die Pflanzenbörsen, die musikalische Untermalung durch Bläsergruppen etc. haben große Anerkennung bei der Bevölkerung.

Aber dann kommt die „dunkle“ Seite der Jagdausübung und da wird der Jäger oft auf das Schießen reduziert. Wenn es dann auch noch um die komplexen Themen wie Jagdsteuer, Schonzeiten, bleifreie Munition oder den Wolf geht, werden gerne Sätze aus dem Kontext gerissen und Schlagzeilen wie „Jäger wollen mehr schießen“ oder „Jäger wehren sich gegen bleifrei“ entstehen und führen zu kopfschütteln bei den Lesern. Dass wir vielleicht gute Gründe und Argumente zu diesen Problemen haben, wird selten ausführlich vermittelt.

Die Jagd ist das älteste Handwerk, die natürlichste Form der Nahrungsbeschaffung, die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen und trotzdem müssen wir uns manchmal rechtfertigen. Die Naturentfremdung der Bevölkerung nimmt leider zu und nur wenige beschäftigen sich mit der Frage, wo denn der Wildbraten zu Weihnachten eigentlich herkommt. Ja, es gibt eine Geschichte bevor die Wurst in die Auslage kommt. Ja, Jäger töten Tiere, aber dass tun wir Menschen schon seit der Evolutionsgeschichte. Der Jäger ist wie auch z.B. der Schlachter, der Fischer, der Kaninchenzüchter, der Schweinewirt, in den aktiven Prozess von Leben und Tod eingebunden. Wir alle lieben unsere Tiere, nur verschließen wir nicht die Augen vor der Frage, wie das Steak auf den Teller kommt.

Jetzt sind wir Jäger gefragt! Wir klären gerne Missverständnisse auf, wir haben keine Geheimnisse und informieren gerne über die Natur vor Ort, nur so kann es zu gegenseitigem Verständnis kommen. Durch die aktuellen Veränderungen im Jagdrecht treten in den einzelnen Revieren einfach Probleme auf, die nicht nötig getan hätten.

Am Beispiel des Damwildes hier einmal erklärt: Es wurde die Jagdzeit um drei Monate gekürzt, um angeblich den Jagddruck zu reduzieren. Nur kann man unsere völlig unterschiedlichen Reviere nicht generell verordnen. Wir haben hier in Schleswig-Holstein viele reine Feldreviere, in denen sich die Damwild-Bestände im Getreide bis zur Ernte aufhalten und dort auch für entsprechend Wildschaden sorgen. Nach der Ernte ziehen diese Rudel dann wieder in benachbarte Einstände und eine Bejagung ab dem 01.09. ist dann quasi nicht mehr möglich. Zudem bleibt die Gesamtstrecke ja gleich, nur dass wir drei Monate weniger Zeit haben in Ruhe zu jagen und in der restlichen Zeit mehr jagen müssen. Was daran dann weniger Jagddruck ist, entzieht sich unserem Verständnis. Wir brauchen nur gute Rahmenbedingungen, das heißt nicht, dass wir mehr schießen, sondern dass wir es dem Revier und dem Wildbestand vor Ort anpassen können. Wir sind die Fachleute in den Revieren, dafür haben wir auch eine umfangreiche Ausbildung genossen und eine schwierige Prüfung abgelegt. Ohne Grund heißt es nicht „grünes Abitur“ und wir lassen uns diese Fachkompetenz nur ungern absprechen. Zudem ist der Jäger sehr daran interessiert in seinem Revier einen artenreichen und gesunden Wildbestand zu hegen. Dies heißt, er würde nie eine Art so stark bejagen, dass der Bestand gefährdet ist. Gibt es in einem Revier wenig Hasen, so wird man die Jagd dort ruhen lassen, solange sich der Bestand erholt hat und mit Hegemaßnahmen versuchen das Habitat zu verbessern.

Auch für nicht-jagdbare und nicht bejagte Tierarten sind diese Maßnahmen für uns selbstverständlich und praktizierter Naturschutz vor Ort. Wir Jäger wollen auch keine verwilderten Katzen bejagen, viel lieber wäre uns ein funktionierendes Kastrationsprogramm oder eine Auffangstation, aber auch da bleiben die, die am lautesten schimpfen, eine Lösung schuldig.

Ähnlich beim brisanten Thema Wolf. Auch den wollen wir nicht bejagen, aber es bedarf klarer Spielregeln im Umgang mit dem wieder eingebürgerten Großraubtier und da hat man eine Zusammenarbeit bisher nicht wirklich angestrebt. Man möchte uns oft und gerne in eine Ecke drängen, uns als schießwütige, überalterte, konservative und sture Truppe hinstellen, aber dass sind wir nicht! Wir sind die Mitte der Gesellschaft, eine durchmischte Gruppe was Geschlecht, Beruf, Alter und auch politische Gesinnung angeht. Eins haben wir aber gemeinsam: Wir lieben unser Wild und unsere Natur, wir freuen uns in unseren Revieren jeden Tag unterwegs zu sein und die Veränderungen im Jahresverlauf live mitzuerleben, Teil der Natur zu sein und ein funktionierendes Bündnis mit ihr einzugehen. Deshalb wehren wir uns auch gegen fragwürdige politische Veränderungen, die dieses Bündnis belasten und eher von Ideologie und Willkür geprägt sind und nicht etwa von neuen wildbiologischen Erkenntnissen, oder ökologisch nachvollziehbaren Argumenten. Umso wichtiger ist es nun, dass wir die Nichtjagende Bevölkerung mit Fakten und fundiertem Wissen aufklären. Fragen Sie uns, wir „guten Jäger“ können Ihnen vor Ort die Natur näher bringen.

Norman Stoll

Bild: Rudolpho Duba/pixelio

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