Verhungern oder Füttern

 

Foto: Johann Obertaxer

In Zeiten, in denen die Jagd immer wieder am Pranger steht, ist auch das Füttern in der Winterzeit ein immerwährendes Thema.

Gegner behaupten allzu gerne, Jäger würden das Wild füttern, damit sie einen hohen Wildbestand haben, welchen sie dann nur vom Frühjahr bis in den Herbst erschießen wollen.

Gleichzeitig wird von den gleichen Menschen Fallwild zum Tierarzt gefahren, Kitze die am Wegesrand ihren Platz gefunden haben und auf die Ricke warten, mitgenommen, weil man der Meinung ist, das Kitz wäre verwaist, mit Junghasen ebenso. Jeder Igel, der unterernährt aussieht, wird mit ins traute Heim genommen und mühselig auf sein benötigtes Gewicht gebracht, auch wenn nur 5 Gramm daran fehlen. Auch diese Menschen nehmen sich bedürftiger oder vermeintlich hilfloser Tiere an, weil sie Mitleid mit der Kreatur haben. Weil sie das Leid, welches sie glauben zu erkennen, nicht ertragen.

Und sicher kann sich jeder an seine Kindheit erinnern, in der er ein verletztes Tier zum Tierarzt gebracht hat.

Wo ist nun der Unterscheid zwischen Füttern und dem Aufpäppeln von angeblich verwaistem oder verletzen Wild?

Schauen wir uns doch mal die gesetzlichen Vorgaben an.

Der Jäger ist zu Hege verpflichtet. Das bedeutet, er muss sich um das Wild kümmern, z.B. sehen wann es hungert und muss dann, je nach Vorgabe und gesetzlicher Regelung oder sogar Anweisung durch die Unter Jagdbehörde, handeln.

  • 1 Inhalt des Jagdrechts

(1) Das Jagdrecht ist die ausschließliche Befugnis, auf einem bestimmten Gebiet wildlebende Tiere, die dem Jagdrecht unterliegen, (Wild) zu hegen, auf sie die Jagd auszuüben und sie sich anzueignen. Mit dem Jagdrecht ist die Pflicht zur Hege verbunden.

Auch wenn der Jäger keine Lust zur Hege hätte, kann er sich auf Grund dieses Paragraphen nicht der Verpflichtung entziehen.

Aber das Verhungern gehört zur Natur!

Das Gesetz des Stärkeren, welches uns in unserem Leben immerwährend begleitet, ist gerne das Argument dafür, Tiere verhungern zu lassen, damit nur die Starken überleben. Weil die Natur sich von selbst regelt.

Das ist leider nicht so, wie uns einige Projekte im angrenzen Ausland zeigen. Da wir uns seit tausenden von Jahren in die Entwicklung der Welt und damit der Tierwelt eingemischt haben, regelt sich nichts mehr von allein. Diese Tierwelt ist auf uns angewiesen, sei es, dass man besonders bedrohte Arten schützt oder die Gewinner und deren Population eindämmt. Wir haben uns diese Welt nach unseren Vorstellungen gemacht, nun sind wir auch verpflichtet uns darum zu kümmern.

Wer das nicht möchte, dem bleibt nur die Möglichkeit wieder in die Höhle zu ziehen und die Zivilisation hinter sich zu lassen.

Nun sollte man sich die Frage stellen, was ist mit unterernährten Igeln, angefahrenem Wild oder den augenscheinlich verwaisten Kitzen? Fallen diese nicht ebenfalls unter die Ellbogenpolitik unserer Gesellschaft? Warum darf dort geholfen werden? Gibt es zwei Klassen von Tieren?

Des Weiteren sollte man sich fragen, möchte man bei einem Sonntagsspaziergang an einem sonnigen Tag im Winter, bei kniehohem Schnee und romantischer Stimmung, verhungerte Rehe oder anderes Wild in Feld, Wald und Flur sehen? Wenn diese am Wegesrand liegen und elendig zu Grunde gehen oder noch lebend von Fuchs und Schwarzwild angefressen werden?

Ich glaube, bei dem Gedanken sollten sich alle Menschen unabhängig ihrer Einstellung zu Jagd einige sein, dass man solche Bilder und Erlebnisse den restlichen Tag nicht im Kopf haben möchte, bzw. alles tun muss, um solches unnötige Leid zu verhindern.

Erholungssuchende sehen, je nach  Gebiet oft kein Wild, welches der Jäger aber bei einem Ansitz sieht.

Wer sich einige Stunden hinsetzt und Wild beobachten muss, welches abgemagert im Feld steht, der kann diesen Anblick nur schwer ertragen ohne was dagegen tun zu wollen. Ich versichere jedem, hierbei hört jede angedichtete Romantik der Jägerei schlagartig auf zu existieren.  Genauso, wie jedem andern beim Anblick eines kranken, abgemagerten oder für den nahenden Winter zu leichten jungen Igels.

Selektiert Nichtfüttern?

Nein. Denn eine Hungersnot betrifft zu allererst einmal alle Tiere, unabhängig vom jeweiligen, derzeitigen Zustand.

Wer stirbt zuerst?

Sicher sind es, allen voran, ohnehin schon schwache Tiere, aber auch durchaus jene, die nicht auf Grund ihres fortgeschrittenen Alters oder einer Verletzung kümmern, sondern junge Tiere, z.B. Kitze.

Schlimmer wird es, wenn führende Alttiere vor ihrem Nachwuchs sterben. Auch oder grade in dieser Zeit sind Jungtiere auf ihre Eltern angewiesen, da jene aus der Erfahrung wissen, wo es ggf. noch Nahrung gibt. So wie Gämsen und Hirsche z.B. bei hoher Schneelage in die Täler ziehen um dort an den schon seit Jahrzehnten bekannten Heuraufen einfacher oder überhaupt an Nahrung zu kommen.

Verhungern oder Füttern?

Ein Mensch mit einem gesunden Maß an Ethik kann es daher nicht zulassen, dass in Notzeiten, also z.B. bei hoher, dauerhafter Schneelage oder auch nicht ausreichender Vegetation, Tiere verhungern.

Hierbei spielen Gesetze eine untergeordnete Rolle. Denn ebenso wie kranken Tieren geholfen wird, haben wir die moralische Pflicht jungen Tieren ein Aufwachsen zu ermöglichen.

Man stelle sich nur vor, wie es in der Welt aussehen würde, wenn wir alle eine Handlungsweise an den Tag legen würde, die das heißt: Dem Stärkerem gehört die Welt!

Menschen, allem voran Kinder sind in Ländern der Dritten Welt auch so schon die leidtragenden der Gesellschaft. Wo kämen wir hin, wenn wir nach dem Motto „die Natur wird es richten“, auch dort Schwache und Notleidende nicht mehr unterstützen?

Wollen wir so eine Welt, emotions- und mitleidslos?

Unterscheiden wir Menschen uns unter anderem nicht auch deswegen vom Tier, weil wir in der Lage sind, Mitleid zu fühlen und dem daraus resultierenden Wunsch zu helfen nachgeben?

Quellen:

  1. http://www.krone.at/oesterreich/paechter-laesst-wild-in-kaerntner-revier-verhungern-strafbare-handlung-story-394984
  2. https://www.google.de/search?q=verhungertes+Wild&client=firefox-b&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ved=0ahUKEwiFveDG4I_SAhUD0RQKHVI7CSwQ_AUICSgC#q=verhungertes+Wild&tbm=isch&tbs=rimg:Ca3WUQBXZgcOIjiIy1qUXfLhu_1U2kMmYd7ULGsL7HMQduJR8zhG0VAkbHPIDJ9KK1dPsHKbs8k6fN6ILhjpykHffTyoSCYjLWpRd8uG7EW1ri2kKLL3hKhIJ9TaQyZh3tQsRTSBpa2m9YY4qEgkawvscxB24lBGCn-dBJGT8VCoSCXzOEbRUCRscEdgjfHsnKvnoKhIJ8gMn0orV0-wRMuOxdK9dhIoqEgkcpuzyTp83ohHLNElYxZpgMyoSCQuGOnKQd99PEaR6VuMRT6V5

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