In der vergangenen Woche haben wir einen offenen Brief an die Vorsitzende des Tierschutzvereins Düsseldorf, Frau Piasetzky gerichtet, die in einer Veröffentlichung die Jägerschaft pauschal verunglimpfte. Heute erhielten wir die Reaktion auf unsere Nachfrage.

  Antwort Tierheim Duesseldorf_Scan

Nur ein kleiner Kommentar zu einer Antwort, die jeder gern selbst für sich interpretieren darf.

Warum man die Arbeit der Jäger nicht bemerkt, mag an Scheuklappen oder einfach mangelndem Interesse liegen. Dass im weitaus größerem Maße Flächen versiegelt werden, als durch Jäger aufgewertet, ist eine bedauernswerte Tatsache. Das Engagement der Jägerschaft ist dadurch aber nicht weniger eindrucksvoll.

Auch uns ist der Beitrag der Landwirtschaft zum Artenschwund bewusst und wir versuchen intensiv an der Basis Verbesserungen zu erreichen. Aber das Gleichnis Jäger = Landwirt ist schon sehr weit aus der Luft gegriffen. Diejenigen Jäger, die auch Landwirte sind, werden mit Sicherheit weder 5x jährlich mähen, noch Setz- und Brutzeiten missachten. Aktuell stammen übrigens lediglich 7 % der Jungjäger aus Land- und Forstwirtschaft. Das blinde Herumhacken auf Berufsgruppen in Ermangelung von Argumenten wirkt hilflos, zumal nicht berücksichtigt wird, wessen Politik und Partei wir Maiswüsten und Windräder, denen geschützte Vögel zum Opfer fallen, oder Vertrassungen der Landschaft und ähnliches verdanken. Die Landwirtschaft nimmt nur Möglichkeiten wahr, die ihr aufgezeigt werden. Der Fisch stinkt nur selten vom Schwanz.

Lust am Töten und Tierquälerei – zwei Phrasen ohne Inhalt. Wir produzieren ein hochwertiges Lebensmittel und übernehmen die Verantwortung dafür. Das Tier lebt in seinem Lebensraum, ohne künstliche Futterzusätze o.ä. und stirbt in der Regel einen Sekundentod. Wer kann das von seinem Essen auch behaupten? Auch Prädatorenbejagung hat ein artenschutzrelevantes Ziel, eine sinnvolle Hege steht auf 3 Beinen: Biotopverbesserung, Prädatorenmanagement und nachhaltige Nutzung.

Einer der Hauptpunkte wurde wieder einmal stillschweigend unter den Teppich gekehrt:

Welche tierschutzrelevanten Fragen regelt denn der Gesetzesentwurf?

• Gibt er Antwort auf die Frage, wie das Katzenelend in verwilderten Populationen geregelt werden kann?
• Verlangt er Kastrations- und Chippflicht für Katzen und nimmt die Halter in die Verantwortung?
• Hebt er die Kasernierung und den Zwangsabschuss von Dam-, Rot und Muffelwild auf?
• Berücksichtigt er wildbiologische Erkenntnisse bei der VERLÄNGERUNG der Jagdzeit auf Schalenwild oder ist es ökonomischen Bestrebungen der Forstindustrie geschuldet?
• Bringt er eine Gleichbehandlung der Wildarten? Habichte dürfen in Notzeiten unterstützt werden, Bussarde nicht?
Nein, die Themen, die angeblich so viel Tierschutz transportieren, sind den Medien und der Masse geschuldet, nicht den Fakten.
Ach und zur Auslandsjagd: auch dazu gibt es etliche Studien … ohne das Geld der Auslandsjagd wären die meisten Projekte gegen Wilderei und zum Erhalt der Tierwelt schlicht pleite.

Aber wir sind ja „Für Jagd in Deutschland“

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Christiane

Ich bin nun richtig stolz eine Düsseldorferin zu sein. Ein toller Brief von der Vorsitzenden des Tierheims. Es ist schon eine Tragik und Tragödie, dass es Menschen gibt, die nicht nur meinen ‚ Fleisch muss sein ( beiß rein) ‚, sondern die auch noch Spaß an dem Toeten von Tieren haben. Natürlich ist die Jagd nichts anderes. Wie wollen Sie denn sonst erklären, dass eigens zum Zwecke der Jagd Damwild in Deutschland ausgesetzt wurde und das Wild angefuttert wird, um es verfügbar zu halten? Es ist schon grotesk, dass erst natürliche Feinde wie der Bär, der Luchs und der Wolf ausgerottet werden durch die Jagd, um sie nun als Akt des Tierschutzes wiederrum zu verkaufen. Christiane Biallas

autorfjd (AH)

Da ich weder in der Lage bin so gut und fachlich und inhaltlich so kundig und sachgerecht wie Knut Pohl zu schreiben, bleibt mir nur noch eine Anmerkung:
Ich freue mich, dass der FJD es Lesern ermöglicht, die eigene Meinung zu einem Artikel darunter zu posten. Das vermisse ich auf der Seite von Frau Piasetzky sehr! Es würde doch einiges erleichtern.
Dank Euch für diese Möglichkeit

Knut

Sehr geehrte Frau Piasetzky

Zuerst einmal möchte ich Ihnen meinen Respekt aussprechen. Jeder, der sich für eine Sache einsetzt, an die er glaubt, hat den in meinen Augen verdient. Dann möchte ich die Gelegenheit nutzen und Ihnen ein paar Punkte ihres Briefes aus meiner Sichtweise darlegen:

JEDER Jäger mit einem Funken Anstand und nur etwas Grips in der Birne ist gegen Tierschutzverstösse. Nicht nur gegen die gröbsten, sondern gegen alle. Tierleid erquickt in meinen Augen wirklich nur gestörte Menschen. Den ganz grossen Teil der Jäger zähle ich nicht dazu.
Das mag Ihnen vielleicht unbegreiflich sein – was ich in gewissem Mass verstehen kann, schliesslich sind die zwei Sachen scheinbar diametral gegensätzlich – aberden allermeisten Jägern liegt das Wohl der Tiere sehr stark am Herzen. Obwohl sie fähig sind, Tiere auch zu töten, ja sogar in diesem Teilbereich der Aufgabe aufzugehen. Das macht uns noch lange nicht zu Tierquälern oder Lustmördern. Sondern schlicht und einfach zu Menschen, die an das, was sie tun glauben und die sich daran erfreuen können, wenn sie eine Aufgabe gut erledigen.
Jäger sind Tiernutzer und Tierschützer zugleich. Das wir ersteres sind, macht uns weder zu Gegnern des zweiten, noch zu ihren Gegnern. Denn auch die Jäger sind in aller Regel daran interessiert, den Tierschutz zu verbessern.
Insofern sitzen wir eigentlich im gleichen Boot, auch wenn wir uns über den Steuerkurs nicht zwingend einig sind. Denn beim Tierschutz werden wir immer Kompromisse eingehen müssen. Solange Menschen auf diesem Planeten leben, werden Tiere in irgendeiner Form kompromitiert, beeinflusst und auch leiden. Die Frage ist also nicht, ob wir Leid und Beeinflussung von Tieren akzeptieren können, sondern wieviel. Und wie wir es verringern können, denn ohne Frage ist weniger in diesem Fall immer besser.
Genau hier liegt aber der Knackpunkt: Ich persönlich bin davon überzeugt, dass der aktuelle Jagdgesetzentwurf in Summe eine Verschlechterung des Tierschutzes darstellt, und keine Verbesserung. Zu viele Bereiche orientieren sich schlicht nicht genug an der Sachlage oder aktuellen Forschungsergebnissen. Im Detail finden Sie das an vieln Stellen gut erklärt.
Womit wir bei Ihren Ausführungen zum Novellierungsbedarf kommen. In meinen Augen spielen weder Alter noch herkunft eines Gesetzes irgendeine Rolle. Wenn es auch heute noch das richtige, also bestbekannte Vorgehen darstellt, kann es gerne tausend Jahre alt sein und von Kannibalen entworfen worden sein. Und wenn wesentliche Punkte weiterhin richtig und zeitgemäss sind, dann braucht es keine Veränderung. Der einzig triftige Grund zur Novellierung eines Gesetzes kann einzig und allein nur die Verbesserung sein. Missstände beheben, überholte Sachverhalte und Praktiken aktualisieren, Abläufe verbessern und Effizienz erhöhen sind gute Gründe für Novellierungen. Diese Motivation spreche ich persönlich dem Gesetzesentwurf aber über weite Strecken ab. Nicht von ungefähr gibt es viele Stimmen aus den zuständigen Fach- und Forschungsbereichen besonders der Wildbiologie (übrigens häufig Nichtjäger), die argumentativ gegen viele Punkte dieses Gesetzes sind.
Für mich persönlich scheint das Gesetz von Klientel- statt Sachpolitik geprägt zu sein – teilweise sogar in augenwischender Weise – und wesentlich von dem Wunsch geprägt, mit diesem Werk den Grundstein einer Politischen Karriere zu festigen. Aber das ist nur mein persönlicher Laieneindruck. Der entstanden ist, weil viele Bereiche besseres Wissen zu ignorieren scheinen und/oder man sich nicht die Mühe gemacht hat, den Sachverhalt detailliert zu recherchieren und auszuarbeiten. Und im Zweifelsfall sogar sich noch gar nicht festzulegen, sondern sich die Klärung für später auf dem Verordnungswege aufzusparen. Da kann ich schon verstehen, wenn von „Ermächtigungsgesetz“ gesprochen wird.

Doch jetzt gehe ich zu sehr ins Detail.

Ich hoffe, ich konnte ihnen die „gegnerische“ Sichtweise ein wenig näher bringen, in der Hoffnung, dass wir gemeinsam zum Wohle der Tierwelt wirken können, statt uns in überholten, falsch gezogenen Schützengräben gegenseitig zu bekämpfen.

Mit freundlichen, waidmännischen Grüssen
Knut Pohl
Jäger, Biologe, Tierschutzbeauftragter

P.S. an die FJD-Verantwortlichen: gerne darf dieser Brief auch per Email an die Dame gesendet werden, auch unter meinem Namen und mit Angabe meiner Email-Adresse