von Werner Berens

Liebe Interessierte,

modifizierte Jagdgesetze enthalten und befördern nach Aussage der Modifizierer atemberaubende, weltweit beispielhafte Verbesserungen des Artenschutzes. Die verknöcherte, ewig gestrige Jägerschaft versteht in ihrer Engstirnigkeit nicht, dass z.B. das Verbot des Abschusses wildernder Katzen dem Artenschutz dient, wenn man gleichzeitig alle gesetzlichen Regelungen zur Reduzierung der Zahl umher streifender Katzen vermeidet……………Wir stecken in mindestens einem von mehreren „Dilemmatas“. Dem abzuhelfen, habe ich mir geschworen und keine Kosten und Mühen gescheut, das Artenschutz-Informationsdefizit der Jägerschaft zu beheben. Aufklärung tut not. ……
Und endlich, nach langem Insistieren meinerseits ist es gelungen, vier der qualifiziertesten Personen im weiten Feld der Naturnutzung und des Naturschutzes für ein Interview zu gewinnen, welches die Missverständnisse und Fehlinterpretationen der Jägerschaft bezüglich Artenschutz mit einem Schlage beseitigt.
Zwei unserer Interviewpartner bekleiden dank ihres ideologiefreien Kampfes für die Belange der Natur seit einiger Zeit das längst verdiente Ministeramt. Dort machen sie sich im aufreibenden Kampf zwischen Naturnutzern und Naturschützern, selbstlos beraten von den ihrer Partei nahe stehenden Naturschützern, einen Namen durch besonders praxisgerechte Modifizierungen der Jagd- und Umweltgesetze. Die anderen beiden; Herr Volker Schlicht und Frau Wiltrud-Gesine Krottenteufel-Ambacher vertreten bekannte Naturschutzverbände.

Interviewer:
Herr Minister, das neue Jagdgesetz ist laut Ihnen ein Meilenstein des Artenschutzes, können Sie das näher erläutern?

Minister:
Nun, äh, es gibt ja viele Arten, die geschützt werden müssen, weil sie vom Aussterben bedroht sind, z.B die Buche. Deshalb haben wir die Jagdzeit auf Rehböcke verlängert. Wenn man die auch im Januar schießen darf, können sie in dieser Jahreszeit die frisch sprießenden Buchenschösslinge nicht verbeißen.

Interviewer:
In der Tat, im Januar können die das nicht, Herr Minister, aber ich dachte bei Artenschutz eigentlich mehr an Tierarten.

Frau Wiltrud-Gesine Krottenteufel-Ambacher:
Der Einwand ist typisch für die Jägerseite. Der unverhohlene Speziesismus, um nicht zu sagen Rassismus schimmert durch die Fragestellung. Sowohl Buchen als auch Tiere sind Lebewesen. Fragen Sie bitte Peter Wohlleben. Ich sehe überhaupt keinen Grund, da hinsichtlich des Artenschutzes Unterschiede zu machen.

Interviewer:
Dann können wir also in Zukunft weiterhin Bäume erlegen und Rehe fällen?

Frau Wiltrud-Gesine Krottenteufel-Ambacher: Rehe abknallen, Herr B., abknallen!

Interviewer: Verstehe- im Sinne des Artenschutzes

Herr Volker Schlicht:
Bitte keine Nebenkriegsschauplätze. Wenn wir im Bereich der Tiere bleiben, hat unser- sorry- der Minister Bleibendes für den Artenschutz erreicht. Es gibt über 70 Hauskatzenrassen. Und durch das Verbot des Katzenabschusses im Jagdrevier hat der Minister auch für den Schutz dieser Arten Unvergleichliches erreicht, was jedoch die Jäger nicht bereit sind, anzuerkennen.

Interviewer:
Meine Frage bezog sich auf den Schutz wild lebender Tierarten vor Prädatoren und vor negativen Umwelteinflüssen. An Katzenschutz dachte ich dabei weniger.

Frau Wiltrud-Gesine Krottenteufel-Ambacher:
Muss man Ihnen erklären, dass es auch wild lebende Katzen gibt. Und sind sie wirklich davon überzeugt, dass diese verkürzten, einseitigen Fragestellungen das Ansehen der Jäger in der Öffentlichkeit verbessern? Tsss!

Minister:
Jawoll- und nicht nur in Afrika.

Interviewer:
Wie bitte?

Minister:
Gibt es wild lebende Katzen.

Interviewer:
Achso, aber das wusste ich schon.

Volker Schlicht:
Die Tötungslust von Jägern macht halt vor nichts Halt. Nun, mit dem Artenschutz von Katzen ist das ja nun geklärt. Im Übrigen hätte ich gegen einen moderaten Abschuss von verwilderten Katzen nichts einzuwenden, unter bestimmten Bedingungen.

Interviewer:
Unter welchen Bedingungen?

Volker Schlicht:
Wie Sie wissen, ist der laut Tierschutzgesetz erforderliche vernünftige Grund für die Tötung eines Tieres nötig.

Interviewer:
Das heißt?

Volker Schlicht:
Essen mein lieber Herr B. essen, sage ich nur, essen des ermordeten Tieres ist der einzige vernünftige Grund, den wir vom BUND anerkennen. Und wir haben schon vor Jahren erklärt, dass keine anderen Gründe akzeptabel sind.

Ministerin:
Igit!

Interviewer:
Herr Schlicht, dürfen wir dann nur verwilderte Katzen essen oder auch Freigängerkatzen? Und wer definiert bitte verbindlich, was ein vernünftiger Grund ist?

Volker Schlicht:
Ich!

Frau Wiltrud-Gesine Krottenteufel-Ambacher:
Ich auch.

Interviewer:
Was ist mit den Freigängerkatzen?

Ministerin:
Warum fragt mich niemand nichts?

Interviewer:
Gut, Frau Ministerin „Der Wolf ist in Ihrem Bundesland willkommen“, steht in einem Papier Ihres Ministeriums.

Ministerin:
Au ja, wir freuen uns alle riesig auf ihn. Wir sind wie unser Nachbarland Wolferwartungsland! (Klatscht in die Hände)

Interviewer:
Reicht das?

Ministerin:
Ähem—-

Frau Wiltrud-Gesine Krottenteufel-Ambacher:
Natürlich nicht. Aber es ist doch schön, wenn sich zwei Drittel der Bevölkerung- in den Großstädten sogar zwei Viertel- auf ihn freuen.

Interviewer:
Sogar zwei Viertel? Ist das Ihrer Meinung nach mehr als zwei Drittel?

Frau Wiltrud-Gesine Krottenteufel-Ambacher:
Vier ,verehrter Herr B., ist eine größere Zahl als Drei. Das werden selbst Sie einräumen müssen mit Ihrem merkwürdigen Verhältnis zu Zahlen und Mengen………Und zum Wolf: Selbst die Pferde- Rinder- und Schafzüchter haben mittlerweile verstanden, dass wir mit diesem Tier konfliktfrei zusammenleben werden, wenn man die entsprechenden Vorkehrungen trifft.

Ministerin:
zwei Drittel, zwei Viertel? Waren es bei der letzten Unfrage zum Wolf in der Landeshauptstadt nicht sogar vier Zweitel aller Befragten? Im Übrigen wollen wir doch auch, dass durch die Modernisierung der jagdlichen Gesetze und Bestimmungen das Ansehen der Jäger in der Öffentlichkeit verbessert wird, immerhin wählen uns zwischen 5,0 und 12% der wahlberechtigten Bürger. Das sind ganz viele.

Interviewer:
In Ordnung Frau Ministerin. Zurück zum Wolf: Welche Vorkehrungen meinten Sie, Frau Krottenteufel-Ambacher?

Volker Schlicht:
Mittelfristig kommen wir mit 2,50 m hohen unter einer Spannung von 500 Volt stehenden Zäunen, die 1 m tief in die Erde gegraben werden, vermutlich aus. Da müssen die Schafzüchter halt ein wenig zum Gelingen beitragen, damit der hart arbeitende, Erholung suchende Stadtbewohner im Bewusstsein in den Wald gehen kann, dass ihm dort dieses edle Tier begegnen könnte.

Minister:
Und auch das ist ein Beitrag zum Artenschutz, denn seltene Haustierrassen sind so auch vor den zahlreich umher streifenden Katzen und Hunden geschützt.

Interviewer:
Herr Schlicht, meine Frage nach der kulinarischen Verwertung geschossener Freigängerkatzen ist noch unbeantwortet. Und was, Frau Krottenteufel-Ambacher meinen Sie mit merkwürdigen Vorstellungen der Jäger zum Artenschutz und meinem Verhältnis zu Zahlen?

Volker Schlicht:
Freigängerkatzen dürfen Sie selbstverständlich nicht essen. Es sei denn, dass Sie vorher die Erlaubnis des Eigentümers eingeholt haben.

Interviewer:
Und wie unterscheiden wir sicher verwilderte von Freigängerkatzen?

Volker Schlicht:
Letztere sind in aller Regel fetter, aber Sie sind der Jäger.

Frau Wiltrud Gesine Krottenteufel Ambacher:
Nun lassen Sie doch mal die Katzen in Ruhe- und zu Ihrem Zahlenverständnis: Sie behaupten immer, die Zahl der Katzen in Feld und Wald wäre im Verhältnis zur Zahl der Bodenbrüter, Junghasen und Singvögel zu groß. Es handele sich sozusagen um eine Überpopulation verwilderter und Freigangkatzen. Aber das stimmt nicht: In Wirklichkeit ist die Zahl der Hasen, Bodenbrüter und Singvögel zur Zahl der Katzen zu klein……..Es besteht also eher eine Unterpopulation der genannten Arten. Dort sollten Sie ansetzen und sich dafür einsetzen, dass die Zahl der genannten Wildtiere erhöht wird, statt Stimmung gegen z.B. Katzen zu machen. Hängen Sie Nistkästen auf, umzäunen Sie alle Fasanengelege, nehmen sie Häschen in Pflege, bis sie groß genug sind, den Katzen zu entkommen.

Interviewer:
Und wovon leben dann die Katzen, wenn nicht ihre Zahl zu hoch, sondern die der Singvögel und Häschen zu niedrig ist? Müssen die hungern während unserer Häschenaufzucht?

Volker Schlicht:
Die meisten Katzen sind Freigängerkatzen, Herr B., das sollten Sie wissen. Und Freigängerkatzen haben, wenn sie von der Jagd zurückkehren, ihr Schälchen mit Whiskas auf der heimischen Terasse stehen, sodass sie die jagdlich verbrannten Kalorien ersetzen können. Für die wirklich verwilderten Katzen haben wir derzeit- das gebe ich zu- noch keine Lösung bezüglich regelmäßiger Mahlzeiten und vor allem hinsichtlich der freien medizinischen Heilfürsorge, die Freigängerkatzen ja durch ihre Besitzer genießen.

Minister:
Man könnte die bei der Lösung des Jagdscheines erhobene Jagdabgabe erhöhen und………………

Volker Schlicht unterbricht den Minister
Katzen sind nicht alles zu Schützende .Wir waren beim Wolf.

Interviewer:
Stimmt ja, da auch, aber ist der von Ihnen beim Thema Wolf erwähnte Beitrag zum Artenschutz nicht ein Beitrag der Schafzüchter zum Schutz bzw. der Ernährung der Prädatorenart Wolf, Herr Minister?

Ministerin :
Natürlich ist das zuallererst ein Beitrag der grünen Ministerien bzw. ihrer Politik. Dadurch, dass wir das edle Raubtier unter allen Umständen schützen, fordern wir indirekt die Tierhalter und Jäger dazu auf, nie gekannte Anstrengungen für den Artenschutz a) des Wolfes, b) der Katzen, c) seltener Haustierrassen zu unternehmen.

Volker Schlicht mit Blickkontakt zu Frau Wiltrud-Gesine Krottenteufel-Ambacher:
Die genannten Ministerien haben auf unsere Anweisung- äh Anregung- sowohl das Katzenabschussverbot als auch die Wolfswillkommenskultur initiiert, sind also nach uns an 2. Stelle der Artenschützer, während die Schafzüchter den 3. Platz einnehmen- nur die Jäger sind mal wieder
(Zwischenruf Frau Wiltrud-Gesine Krottenteufel-Ambacher: typisch!) beim Artenschutz außen vor.

Interviewer:
Haben sich die Schafzüchter schon bei ihnen bedankt für die Teilnahme am Artenschutzprogramm?

Minister:
Nein, bisher haben sich nur die Katzenhalter bedankt.

Interviewer:
Gut, das mit den Katzen und dem Wolf habe ich nun verstanden. Frau Ministerin, Herr Minister, wie steht es denn nun mit dem Artenschutz von Rebhuhn, Feldhase, Fasan, Kiebitz, Lerche und diversen Singvögeln?

Ministerin:
Da wird es Zeit, dass die Jäger endlich ihren Beitrag leisten, indem sie keine Kiebitze mehr schießen und die Feldhasen in ihren Höhlen in Ruhe lassen. Deshalb haben wir ja die Baujagd verboten…….und darüber hinaus könnten Sie ja durchaus die Maßnahmen ergreifen, die Frau Krottenteufel Ambacher skizziert hat, denn wir haben weder zu viel Prädatoren- die sich ohnehin selbst regeln-noch zu viel Katzen, sondern zu wenig Singvögel und Bodenbrüter.

Minister:
Lerchen? Lerchen sind meines Wissens gar nicht gefährdet. Im Nationalpark Eifel stehen eine Menge davon.

Frau Wiltrud-Gesine Krottenteufel-Ambacher:
Ich glaube, Herr B. meint die Vögel.

Minister:
Ja und, Vögel stehen eben manchmal auch, aber ich verstehe nicht.

Volker Schlicht:
Herr Minister, Ich erkläre Ihnen das nachher- und für Sie Herr B. die anderen Prädatoren betreffend: Füchse, Marder, Waschbären etc. kann man auch essen: Man kann alles essen.
Ich sage Ihnen das nur, damit Sie mich nicht fragen, unter welchen Umständen………Sie wissen schon.

Frau Wiltrud-Gesine Krottenteufel Ambacher:
Das muss man aber nicht. Die Ministerin und ich leben schon seit Jahren vegan. Wie man unschwer feststellen kann, stärkt diese weitaus gesündere Ernährungsweise die geistige Klarheit, was sich selbstverständlich auf die Argumentationsstringenz in Interviews mit- man muss es leider sagen- voreingenommenen Interviewern auswirkt.
Interviewer seufzend:
Frau Ministerin, Frau Wiltrud-Gesine Krottenteufel-Ambacher, Herr Minister, Herr Volker Schlicht, ich bedanke mich für das Interview- und in meiner Eigenschaft als Jäger für Ihre fraglos kenntnisbasierte und durchaus nicht selbstverständliche Bereitschaft zur Verbesserung des Artenschutzes und des Ansehens der Jäger in der Öffentlichkeit.

Prolog: Liebe Leser, ich entschuldige mich, das Interview an dieser Stelle beendet zu haben: Ich musste dringend weg, denn die beeindruckenden Sachkenntnisse und Sichtweisen meiner Interviewpartner ließen mich demütig und ein wenig ratlos zurück. Dennoch hoffe ich, einen nicht unerheblichen Beitrag zum Verständnis der offiziellen Umwelt- und Jagdpolitik seitens zeitgemäß agierender, modern denkender, exorbitantes Fachwissen ihr Eigen nennenden Politiker und Naturschützer geleistet zu haben.
In diesem Sinne wünsche ich allen mit der Jagd befassten, eine freudvolle und fruchtbare Zusammenarbeit mit den durch die Interviewteilnehmer repräsentierten Organisationen.

Kommentare

2 Kommentare auf "Artenschutz durch Katzenessen? Achtung Satire!"

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Manfred Nolting
Gast

Mein Lieber! Ich habe selten so viel Wahrheit in einem relativ kurzen Interview gelesen! Neben dem ganzen Inhalt gefällt mir vor allem die Freud´sche Fehlleistung „auf unsere Anweisung – äh Anregung“. Weil sie so wahr ist. Und auf Wiltrud-Gesine Krottenteufel- Ambacher muss man ja erstmal kommen! Sowas von genial, weil auch so typisch. Ja, ja die Interviews. Ich wünschte mir mehr solcher Interviews …

Manfred Nolting
ein Jagdmensch

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Gast

Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig, aber dennoch unvermeidlich.

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