Leserbrief zur aktuellen Berichterstattung über den Wolf
Unbestritten ist der Wolf eines der faszinierendsten Wildtiere. Doch die Frage mit dem richtigen Umgang spaltet die Gesellschaft. Noch heute erinnern Gedenksteine und Berichte über die Angst der Menschen vor dem Wolf. Holzsammlerinnen, Pilzsucher, Kinder auf dem Schulweg…, sie alle fürchteten sich, bis um 1850 Deutschland weitestgehend wolfsfrei war.
Seit es nach der Wiedervereinigung im Jahr 2000 einem aus Polen zugewanderten Wolfspaar in der Oberlausitz gelang erstmals seit ca. 150 Jahren wieder Welpen in Deutschland aufzuziehen, ist der Bestand bis dato auf etwa 400 Wölfe angewachsen und wächst ständig weiter. Ob es sich dabei immer um „wilde Zuwanderer“ handelt und es alles reinrassige Wölfe oder teils Hybriden sind, ist fraglich. Südlich Leipzigs, wie auch in der Lausitz kam es schon zu Verpaarungen zwischen Wolf und Hund. In Deutschland leben inzwischen mehr Wölfe p/qkm als z. B. im dünner besiedelten Skandinavien. Allein in Brandenburg kommen mindestens11 Wolfsrudel. 10 Rudel in Sachsen vor. Dass diese „Erfolgsgeschichte“ nicht ohne Probleme vonstatten geht, davon zeugen vermehrte Berichte von Wolfsrissen an Nutztieren. Nach Informationen des Wolfsbüros Lausitz rissen Wölfe in nur einer Woche 89 Nutztiere. Mitte Februar 2016 wurden im Naturschutzgebiet Königsbrück (Sachsen) 64 Schafe und Ziegen in nur einer Nacht getötet. Die Schäfer trifft dabei keine Schuld. Sie haben sich an die Ministeriumsanweisungen gehalten. Die Herdenschutzzäune waren hoch genug und haben Strom geführt. Dennoch kam es zu diesen Übergriffen.
Um Ängsten in der Bevölkerung vorzubeugen sowie Schäden an Haus- und Nutztieren ab zu wenden,
hat nach nun sechs Jahren Vorbereitung auch das Land NRW endlich einen „Handlungsleitfaden“ für Tierhalter und Spaziergänger im Umgang mit dem Wolf herausgegeben. Es zeigt, wie groß die Unsicherheit mit dem Auftauchen Isegrims ist. Der Wolf ist sehr lernfähig und intelligent. Er wird sich nicht auf Dauer von den Präventionsempfehlungen: „Laut rufen, Hände klatschen….“ der „Wolfsexperten“ beeindrucken lassen.. „Dort wo er nicht ausreichend bejagd wird, verliert er die Scheu vor den Menschen“, lautet das Fazit der Wildbiologen aus Osteuropa. Doch genau das wollten bestimmte Kreise von „Naturfreunden und Umweltaktivisten“ lange Zeit nicht hören.

Zur Fragen einer Wiederansiedlung in der damaligen BRD antwortete der schwedische Wolfsforscher Erik Ziemen (+) schon Anfang der 1980er Jahre: „dass aufgrund der dichten Besiedlung, des engen Wege- und Verkehrsnetzes und der intensiv genutzten Kulturlandschaft, der Weidetierhaltung etc, dies starken Stress für Wolf + Mensch bedeuten würde. Eine die menschliche Interessen nicht berücksichtigende Betrachtungsweise helfe bei der Begründung von Naturschutzinteressen nicht weiter.“ Wie Recht Ziemen damals hatte zeigt sich, dass allein in Sachsen sind seit dem Jahr 2000 mindestens 28 Wölfe bei Verkehrsunfällen getötet wurden.

Bei dem jüngst bei Mastholte (NRW) und anderswo gefilmten Jungwolf handelt es sich nach Meinung von Hundesachverständigen nicht um ein Tier welches in freier Wildbahn geboren wurde. Da Wölfe wegen ihres jagenden Verhaltens gute Ausdauerläufer sind, erscheint dieses Tier hingegen wenig athletisch. Auch die territoriale Unsicherheit lässt vermuten; dieses Tier dürfte aus einem Gehege stammen. Zumal dieser Wolf vermutlich dann einen Tag später Opfer eines Verkehrsunfalls bei Salzkotten (Kreis PB) wurde. Das arme Tier kann jedem Tierfreund damit nur Leid tun.
Warum schafft die Politik keine Vorgaben in welchen geeigneten Gebieten Deutschlands –etwa der Oberlausitz etc.- der Wolf stressfrei vorkommen darf. Der Hirsch z. B. als „König des Waldes oder auch Mufflons und Sikawild dürfen nur auf etwa 15% der Fläche Deutschlands vorkommen. Außerhalb der so genannten „Bewirtschaftungsbezirke“ müssen diese Pflanzenfresser intensiv bejagd werden. Warum sollten gleiche Bedingungen nicht auch für den Fleischfresser Wolf als großes Raubtier gelten?

Heinz J. Bökamp
1. Vorsitzender ANK= Arbeitsgemeinschaft Natur, Umwelt, Kultur

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Kommentare

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neuster ältester
Stephan
Gast

Der Wolf ist in der Tat ein faszinierendes Tier! Netter und aufschlussreicher Beitrag, Beste Grüße